Es ist zu bewundern, wie schnell sich derzeit die Welt dank dem wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt verändert. Aber das bringt nicht nur positive Erscheinungen mit sich. Manche Biologen sind der Meinung, dass die menschliche Natur im Vergleich zur heutigen Welt rückständig ist. Die Welt verändert sich rasant, aber unsere menschliche Natur bleibt zurück. Wir leben immer noch nach Instinkten und dem limbischen System, obwohl die Welt sich derzeit auf Rationalität und Vernunft orientiert. Manche vertreten die Ansicht, dass gerade hochtechnologische Entwicklung, zum Beispiel die KI, diese Kluft zwischen der rückständigen menschlichen Natur und der hochtechnologischen mordernen Welt zu überwinden hilft. Manche haben Ansgt vor der KI, aber wirklich gefährlich werden die Technologien erst, wenn sie in die Hände der Menschen geraten, die evolutionär immer noch in Höhlen stecken. Wie der russische Biologe Wjatscheslaw Dubinin sagte, sollte man keine Angst vor künstlicher, sondern vor natürlicher Intelligenz haben.
Kannst du deine Aussage mit "obwohl die Welt sich derzeit auf Rationalität und Vernunft orientiert" (inhaltlich) erläutern? Wenn man mich fragen würde ("tut man nicht, halt die Klappe"), würde ich das nicht gerade behaupten...
Ich finde die Aussage mit der (vermeintlich) "rückständigen" menschlichen Natur auch grundsätzlich falsch, und die polarisierende Vereinfachung ist hier das Problem. Es nimmt ja an, technischer "Fortschritt" sei tatsächlich und grundsätzlich ein Schritt nach vorne. Ist es nur nicht, es gibt ja durchaus mehr als Naturwissenschaften und Technik (sagt der Physiker).
Und die Menschen, "die evolutionär immer noch in Höhlen stecken" sind ziemlich oft die megalomanen Technokraten selbst.
Daher würde ich hier nicht so sehr von bewundern, sondern eher von verwundern reden. Ich finde die grundsätzliche Richtung des Posts ja in Ordnung, nur - wie gesagt - extrem vereinfachend und daher auch einseitig. Als Sprachübung jedoch wie immer sehr gut geschrieben.
Vielleicht habe ich mich nicht so gut ausgedrückt, eigentlich meinte ich damit, dass sich die Umwelt, in der der Mensch lebt, dank Technologien und der Wissenschaft rasant verändert und sich der Mensch natürlich daran anpassen muss. Aber evolutionär gesehen entwickelt sich der Mensch sehr langsam, weil die menschliche Evolution nach dem Trial- and Error Prinzip verläuft. Deshalb sind unser Körper und Gehirn darauf ausgerichtet, in einer anderen Umwelt zu leben, die vor 20 Tausend existierte. Die moderne Umwelt verlangt jedoch eine rationale Herangehensweise und wir sind keine rationalen Tiere. Das bestätigt unser ganzes Leben sowohl als Einzelwesen als auch als soziales Wesen. Wir kämpfen um Prestige und Vorteile. Aus biologischer Perspektive ist all unser Handeln darauf ausgerichtet, Nahrung zu beschaffen und sich fortzupflanzen. Wenn wir deshalb mithilfe neuer Technologien nicht zu rationalen Lebewesen werden, wird diese evolutionäre rationale Nische von anderen Lebewesen eingenommen werden, für die diese Umwelt passend und heimisch ist.
Ja, Evolution ist viel langsamer als die eigene "künstliche" Dynamik (= Systeme und Änderungen, die von den Menschen selbst ausgehen). Das ist allerdings nichts Neues, sondern (mindestens) seit der industriellen Revolution im Gange.
Was mich daran immer wieder überrascht bzw. verwundert, ist, dass es überhaupt so weit geht. Computer dagegen werden sehr schnell überholt, um ein konkretes Gegenbeispiel zu nennen. Die menschliche Anpassung ist erstaunlich.
PS: Ich bin immer noch mit deiner Aussage "Die moderne Umwelt verlangt jedoch eine rationale Herangehensweise und wir sind keine rationalen Tiere." nicht ganz einverstanden. Kannst du konkrete Beispiele nennen, warum du denkst, dass es so ist?
Entschulding, ich konnte gestern nicht antworten.
Wir sind irrational, weil es unmöglich ist, zu existieren und niemand zu sein. Wir sind durch unsere Struktur vorbestimmt und unsere Struktur hat sich im Laufe der biologischen Evolution gebildet. Ältere Strukturen koexistieren in uns mit modernen Strukturen. Ein Ingenieurgedanke kann ein Aggregat von null auf erschaffen und dabei Innovationen verwenden, wir dagegen sind aufgrund der alten Strukturen geformt. Wir sind wie eine Dampflokomotive: Auch wenn sie über moderne LED-Lampen, eine moderne Klimaanlage und moderne Computerprogramme verfügt, bleibt sie trotzdem eine Dampflokomotive, und ihr Wesen als Dampflokomotive vorbestimmt ihre neuen Strukturen. Wir können keine neutralen, belanglosen Beobachter sein, wir sind immer interessiert oder, mit anderen Worten, wir sind voreingenommen. Rationale Lebewesen sind dagegen belanglosen, uninteressierten Beurteilern ähnlich, was für uns unerreichbar ist, denn wir sind irrational. Als konkretes Beispiel unserer Irrationalität kann die folgende Situation dienen: Wenn wir in einer Situation erfolglos sind, machen wir dafür den Zufall oder eine unfreundliche Umgebung verantwortlich; wenn jemand anderes einen Misserfolg hat, beurteilen wir ihn als unvorbereitet und schwach. Also beschuldigen wir im ersten Fall die Umgebung und im zweiten die Persönlichkeit.
Das Bild mit der Dampflokomotive und den LED-Lampen finde ich sehr passend. Auf solche Gegensätze trifft man ja sehr oft, vielleicht sogar in sich selbst: Manchmal ist man geistig schwerfällig, hat Angst vor Veränderungen, vertraut eher seinen Instinkten als dem nüchternen Verstand, behält seine Gewohnheiten bei und hält am Vertrauten fest. Um im Bild zu bleiben: Der Geist ist in solchen Augenblicken eine „Dampflokomotive“.
In anderen Momenten verwandelt er sich in eine „LED-Lampe“: Ihm wird bewusst, dass sich scheinbar unlösbare Probleme lösen lassen, wenn man sein eigenes Denkvermögen nutzt und sich nicht vom Pessimismus (dem eigenen und dem seiner Umgebung) bremsen lässt. Der Geist sucht in einer solchen Stimmung nicht nach Schuldigen, die ein Problem verursacht haben, sondern nach Möglichkeiten, das Problem zu lösen. Mit so einer Stimmung würde ich das verbinden, was man „Fortschritt“ nennen könnte.
Die megalomanen Technokraten, die Eduard erwähnt hat, haben vielleicht auch diese zwei Seiten: Das Machtstreben hängt eher mit Instinkten oder anerzogenen Gewohnheiten zusammen (wenn sie zum Beispiel in einer sehr erfolgsorientierten Umgebung aufgewachsen sind, was wohl bei einigen von ihnen der Fall ist), nicht mit den fortschrittlichen Ideen, die sie haben. Es kommt mir sogar so vor, als ob das Gewinnstreben einiger dieser Leute das wieder zunichte machen kann, was sie aufgebaut haben.
Auch bei der Nutzung moderner Technologien gehen wahrscheinlich die eigentlichen Risiken nicht von der Technologie an sich aus, sondern von den Nutzern selbst. Wie Du ja geschrieben hast: „Manche haben Angst vor der KI, aber wirklich gefährlich werden die Technologien erst, wenn sie in die Hände der Menschen geraten, die evolutionär immer noch in Höhlen stecken.“
Aber wahrscheinlich redet man bei dem Thema manchmal aneinander vorbei. Ich bin ja kein Experte, finde das Thema aber interessant und wollte deshalb noch meinen Senf dazugeben (in der Hoffnung, dass die Diskussion noch weitergeht). :)
@e23 Entschuldigung, ich konnte früher nicht antworten. Vielen Dank für Deinen interessanten und zum Nachdenken anregenden Kommentar! Ich finde das Thema auch interessant. Vielleicht werde ich in nächster Zukunft ein paar Einträge zu damit zusammenhängen Themen schreiben.
@Christina25 Danke für Deine Antwort! Ich freue mich auf weitere Einträge zu ähnlichen Themen.