Also, ich studiere Germanistik. Mein zweites Jahr. In den nächsten zwei Wochen habe ich drei Prüfungen. Wenn ich sie alle bestehe, dann wird es bedeuten, dass ich schon die Hälfte des Bachelorstudiums hinter mir habe.
Heute habe ich erfahren, dass es ab nächsten Oktober einen neuen Bachelorstudiengang geben wird. Es hat mit der Linguistik und Sprachtechnologien zu tun. Während des Studiums werden die Studierenden auch Englisch und eine zweite Sprache ihrer Wahl lernen. Da stehen etwa sechs Sprachen zur Verfügung, einschließlich Deutsch.
Ich habe diese Nachricht gelesen und ich so: „Ah, komm! Echt?! Genau sowas brauchte ich vor 2 Jahren! Ihr seid zu spät!”
Ich habe Interesse an der Linguistik, habe aber keine Lust, mich langfristig nur auf einen Sprachraum zu fokussieren. Also, ja, Philologie ist nicht wirklich für mich. Insbesondere, dass meine Uni einen großen Wert auf die Literaturwissenschaft legt. Zwar lese ich gerne, aber meistens Sachbücher. Sich mit schöner Literatur zu beschäftigen und die Werke so gründlich zu analysieren, fällt mir schwer. Ich bin bloß nicht fähig, die Kunst so wahrzunehmen. Versteh mich nicht falsch. Ich schätze Kunst und die Künstler*innen, echt. Das ist am schönsten, wenn Menschen etwas selbst erstellen und es mitteilen. Ich höre auch gern, was manche literaturbegeisterten Dozent*innen so erzählen, aber diese Leidenschaft, diese Sensibilität, den Bock, mich damit weiter zu beschäftigen, habe ich nicht.
Ok, aber zurück zum Thema. Dieses neue Studium mag etwas für mich gewesen sein. Dann habe ich aber noch mal ruhig darüber nachgedacht.
Mein Deutsch alles andere als perfekt, mein Vokabular ist begrenzt. Zwar kann ich mich verständlich machen, aber mein Sprechen ist nicht so schön, ich spreche nicht einmal fließend Deutsch. Trotzdem meine ich, dass ich ganz schnell ganz große Fortschritte gemacht habe, wenn es um das Lesen- und Hörverstehen und vielleicht auch das Schreiben geht.
Da muss ich zugeben, mein Studium hat hier viel geholfen. Nicht nur der Deutschunterricht, vier Mal in der Woche, sondern auch die Vorlesungen. 80-90% meines Studiums ist auf Deutsch, es wird überall gesprochen. Immersion wird also auf uns sogar aufgezwungen, was ich prima finde.
Wäre ich in dieses Studium nicht eingetreten, hätte ich vielleicht noch nicht mein jetziges Niveau erreicht. Der Unterricht in dem anderen Studium ist auf Polnisch, also ja, viel weniger Immersion in der Woche.
Ich fühle mich unter meinen Kommiliton*innen nicht besonders wohl. Die Leidenschaft für den deutschsprachigen Raum von meiner Dozent*innen kann ich nicht nachvollziehen.
Vielmals wollte ich zu einem anderen Studium fliehen und versuchte, etwas besseres für mich zu finden. Letztendlich habe ich jedoch beschlossen, dieses Studium zu Ende zu bringen.
Erstaunlicherweise bekomme ich ziemlich gute Noten, bestehe alle Prüfungen, obwohl das Lernen für mich lästig ist. Ich habe viele andere Sachen, die ich gerne lernen würde.
Also, was mein Studium angeht, würde ich mal eine Erzählung von Kafka zitieren: „Weder klage ich, noch bin ich zufrieden.”
*seufzt* Jedoch.
Ich bin nicht besonders abergläubisch. Wenn ich aber so nachdenke, alles in Betracht ziehe, meine ich: Vielleicht ist es so, wie es sein sollte? Vielleicht ist das doch für mich der beste Weg? Vielleicht habe ich unglaublich viel Glück, obwohl ich das oft übersehe?
Letzten Endes ist es wohl gut, wie es ist. Bestimmt klage ich viel zu viel.
Ich glaube, viele von uns kennen dieses Gefühl, am „falschen“ Ort zu sein. Ich studiere gerade Jura und fühle mich auch oft total festgefahren. Es ist nicht unbedingt das, was ich später machen möchte, aber ich muss mich jetzt einfach darauf konzentrieren und es durchziehen. Ich erwische mich auch ständig dabei, wie ich andere Studiengänge google, nur um ein bisschen zu träumen! Es ist wirklich nervig, wenn plötzlich ein interessanterer Studiengang auftaucht, nachdem man sich schon für etwas anderes entschieden hat. Aber ich stimme dir zu: Die Immersion ist einer der besten Wege, eine Sprache wirklich zu lernen. Und das mit der Literatur verstehe ich total, es ist echt anstrengend, wenn der Fokus nicht auf dem liegt, was einen eigentlich interessiert. Das Kafka-Zitat hat es wirklich auf den Punkt gebracht. Du schaffst das! Viel Glück für deine Prüfungen, wir sitzen im selben Boot!
@Raena Vielen Dank für diesen Kommentar! Jura ist so ein anstrengender Studiengang, das könnte ich gar nicht durchziehen. Viel Erfolg bei deinem Studium! Du schaffst das auch!