Wenn man das Gefühl hat, dass ihm etwas überall verfolgt und er es überall sieht, kann man auf Polnisch sagen, dass er Angst hat, den Kühlschrank aufzumachen [„(aż) boję się lodówkę otworzyć”]. Ich glaube aber, es wird ganz selten verwendet. Nichtsdestotrotz fand ich diesen Ausdruck sehr witzig, als ich ein Kind war, und hat ihn mir gemerkt.
Letztes Semester besuchte ich einen Wahlkurs in Franz Kafkas Werk. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es schon erwähnt habe oder nicht, aber egal. Ich hasste es. Warum habe ich ihn dann gewählt? Also, alle Plätze für den Wahlkurs, den ich wählen wollte, wurden in etwa 2 Sekunden oder so besetzt. Und er war die zweitbeste Möglichkeit, so dachte ich.
Ok, vielleicht übertreibe ich. Es war nicht so unerträglich. Kafkas Erzählungen haben mir zwar nicht so gut gefallen, wie ich es mir vorgestellt habe, aber ich habe vor ihm Respekt. Eine der Erzählungen, die wir gelesen haben, hat mir aber gefallen und zwar „Ein Bericht für eine Akademie”. Wir haben uns auch ein Fragment dieser Aufführung angeschaut. Ich finde die Darbietung des Schauspielers da echt affengeil (🥁). Ok, einfach atemberaubend geht auch. Zurück zum Thema.
Was in diesem Kurs für mich das Unerträglichste war, war die Tatsache, dass es jede Woche von 18:30 bis 20:00 stattfand. Ich bin ein extremer Frühaufsteher und zu dieser Stunde funktioniert mein Gehirn nicht mehr. Geschweige denn mein deutsches oder literaturwissenschaftliches Gehirn.
Und jetzt fügt sich das alles langsam zusammen. Seitdem das letzte Semester zu Ende gekommen ist, sehe ich Kafka überall. Ohne Witz. Er taucht aus heiterem Himmel auf. Ich werde jetzt wohl bis zum Ende meines Lebens von ihm verfolgt sein. Vielleicht auch länger.
Ich habe keine Ahnung, wie es kam, aber den Kurs habe ich mit der bestmöglichen Note bestanden. Vielleicht habe ich Kafka unbewusst meine Seele für diese Note verkauft.
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Schön geschrieben! Auch wenn ich deiner Schätzung über Franz Kafka nicht zustimme 😉. Er liegt mir im Herzen, denn ich habe anhand seiner Erzählungen und Romane mein Deutsch merklich verbessert. Ich habe während der Highschool Kafka auf Deutsch gelesen, mit englischen Übersetzungen verglichen, und auch Hörbücher gehört. Dieses Studium hat dazu geführt, dass mein Deutsch durch einen leicht österreichischen Wortschatz geprägt wurde 😄. Ich glaube, ich habe dies durch einen Aufenthalt in Berlin „überwunden“. Na klar, er ist nicht mein Lieblingsschriftsteller, aber schöne Geschichten hat er schon erzählt.
@Tanner Danke! Schön, dass Kafka dir geholfen hat! Obwohl ich persönlich kein Fan von ihm bin, kann ich mir nachvollziehen, warum er eher beliebt ist. Ich habe bloß kein gutes Literaturgefühl sozusagen, deshalb bevorzüge ich non-fiction😅