Letztens habe ich ein bisschen darüber reflektiert, wie ich mir eigentlich Sprachen beigebracht habe. Ich fragte mich also, was gut funktioniert hat, was Spaß gemacht hat, was sinnlos war. Und so habe ich zufälligerweise etwas Interessantes erkannt.
Weißt du über den Schmetterlingseffekt Bescheid? Es ist faszinierend, wie manche kleine Entscheidungen einen großen Unterschied machen können. Jede Kleinigkeit ist dazu fähig, unsere Zukunft ganz stark zu verändern.
Als ich von dem Technikum meiner Wahl angenommen wurde, musste ich entscheiden, ob ich Französisch oder Deutsch als meine dritte Sprache lernen wollte. Davor hatte ich 2 Jahre in der Grundschule Deutsch gelernt, es hat mir damals gar nicht gefallen. Und Französisch zu lernen, war mein Kindheitstraum. Die Wahl war also kinderleicht.
Am Anfang war ich ziemlich motiviert. Jedoch hat sich mein Interesse ganz schnell auf Japanisch verlagert. Zu dieser Zeit war ein Selbststudium. Außer es zu lernen, musste ich also alles selbst recherchieren, was auch gedauert hat. Und weil Französisch für mich an Bedeutung verloren hat, habe ich ihm nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ich lernte nur das, was für die Tests unerlässlich war.
Nach 5 Jahren konnte ich deshalb so gut wie kein Französisch. Und kurz vor dem Ende des Technikums habe ich mit dem Deutschen angefangen.
Bedauere ich also meine Wahl? Gar nicht.
Am Anfang des Technikums wurden wir in 2 Klassen aufgeteilt, je nachdem welche Sprache wir gewählt haben. Hätte ich damals Französisch nicht vorgezogen, hätte ich meine jetzigen besten Freunden nicht kennengelernt. Und es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, dass meine Welt ganz anders ohne sie wäre.
Sie hatten eine unglaublich große Wirkung auf meinen Selbstfindungsprozess. Ohne sie kennenzulernen, wüsste ich höchstwahrscheinlich nicht einmal die Hälfte davon, was ich jetzt weiß. Ich könnte das Thema eine halbe Ewigkeit ausführen, aber dann würde es wohl zu persönlich.
Die Personen, denen ich es nicht erzählt habe, könnten jetzt diese Situation als Ironie und Zeitverschwendung ansehen. Meine Einstellung zum Französisch und Deutsch hat sich anscheinend um 180 Grad geändert. Oder nicht so sehr, zum Französischen habe ich keine Abneigung.
Wäre mein Deutsch jetzt viel besser, wenn ich es nicht als Kind nicht gehasst hätte? Vielleicht. Definitiv hätte ich mehr Erfahrung damit. Dessen ungeachtet bedauere ich meine Wahl nicht. Ich bin stolz auf meine Selbstfindung, habe Freunde, die mich hundertprozentig akzeptieren und mir wie eigentliche Geschwister sind.
Deutsch habe ich sowieso gelernt und ich setze das Lernen noch fort. Ich habe auch Grundkenntnisse in Französisch. Wer weiß, vielleicht werden sie mir noch eines Tages von Nutzen sein?
Headline image by aaronburden on Unsplash