Ein Versuch der Übersetzung des Interviews
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Ein Versuch der Übersetzung des Interviews

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Victoria: Lassen Sie uns darüber sprechen, warum das Gehirn neue Informationen mag, wofür wir das brauchen und wie das Ganze organisiert ist?

Wjatscheslaw: Biologisch gesehen ist es klar, wenn etwas stabil ist, wenn nichts passiert, warum muss man sich dann mit der Analyse beschäftigen? Ganz anders geht es mit den Veränderungen, denn sie sagen darüber aus, dass das Essen womöglich aufgetaucht ist, oder es eine Gefahr gibt oder es ist an der Zeit, sich fortzupflanzen. In verschiedenen Gehirnregionen gibt es Neurone, die seit jeher die Neuronen-Detektoren der Neuigkeit genannt werden. Sie vergleichen den vorherigen sensorischen Fluss mit dem jetzigen sensorischen Fluss oder den vorherigen Wissenslevel mit dem jetzigen Wissenslevel. Wir sehen das im Mittelhirn, im Hippocampus und im Neocortex. Der Vergleich und die Suche nach dem Neuen sind wichtig, denn Sie müssen gerade neue Informationen, Veränderungen analysieren, sonst wird ihr Verhalten unangemessen.

Außer der passiven Wahrnehmung der Neuigkeit werden Programme des aktiven Strebens nach der Neuigkeit eingeschaltet. Etwas rauscht, sehen wir das an und dann hingehen und beginnen mit dem Objekt zu manipulieren. Wir streben aktiv nach neuen Informationen. Aus Ventral tegmental area wird dabei Dopamin freigesetzt und geht in die Großhirnrinde. Das hat man beobachtet. Bei kreativen Menschen wird mehr Dopamin im Kortex bei der kreativen, neuen Tätigkeit freigesetzt. Das ist unser Wesen, denn ein Mensch ist äußerst wissbegieriges Lebewesen, das fähig ist, lebenslang diese Eigenschaft beizubehalten. Nicht umsonst sagt man, dass ein Mensch in vieler Hinsicht lebenslang ein Kind bleibt. Es gibt ein schönes Wort “ Neotenie”, wenn Kindlichkeit beibehalten wird. Wir Homo sapiens sind solche Lebewesen. Unter uns gibt es Menschen, die sogar in 70-80 Jahren wissbegierig bleiben und die dazu fähig sind, sich über Veränderungen freuen, was definitiv schön ist. Leider gibt es nicht so viele solche Menschen, aber ich hätte gewünscht, dass es solche Menschen mehr gibt.

Victoria: Dann werden sie vielleicht Langleber.

Wjatscheslaw: Ja, das ist einer der Voraussetzungen.

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