Ein Versuch der Übersetzung eines Interviews
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Ein Versuch der Übersetzung eines Interviews

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biology

Victoria: Also, wenn sich Menschen kennenlernen, erfahren sie über das Weltbild im Kopf eines anderen Menschen?

Wjatscheslaw: Ja, natürlich, deshalb finden wir es so interessant, unter den Menschen zu sein. Sie sehen eine andere Welt, oft mit einem anderen Wertesystem, mit einer anderen Lebenserfahrung. Das ist doch toll! 

Victoria: Die nächste Frage: Was halten Sie für die strukturelle Einheit des Nervensystems? Wie ist das Ganze organisiert?

Wjatscheslaw: Eine einfache Variante. Es ist eine Nervenzelle, die es 90 Milliarden gibt. Ein Neuron ist an sich selbst ein komplexer Prozessor, denn es hat viele Eingänge. Deshalb wäre es logischer, eine Synapse für die strukturelle Einheit zu halten. Eine Synapse ist ein Kontakt zwischen zwei Nervenzellen, wenn zwei Ausstülpungen der Nervenzellen zusammenkommen. Eine Ausstülpung gibt das Signal als einen elektrischen Impuls weiter, die zweite Ausstülpung erwischt das Signal durch ihre Proteinrezeptoren. Gerade das Funktionieren der Synapsen, ihre Aktivität und Plastizität sind diese strukturelle Einheit. Schauen Sie mal, wofür man Nobelpreise bekommt. Mehrere Nobelpreise wurden in den letzten 20 Jahren für die Funktion der Synapsen verliehen. Das spricht für die Wichtigkeit der Synapsen aus. Ein Neuron ist ein großes Ding und eine Synapse ist etwas, was zeigt, wie Mediatoren freigesetzt werden. Das Ganze hat eine außerordentliche Bedeutung.

Victoria: Ist es wichtig, eine große Menge von Synapsen zu haben? Je mehr, desto besser? Stimmt das?

Wjatscheslaw: Ja, im Allgemeinen scheint es wahr zu sein, denn es ist nicht wichtig, wie viel ihr Gehirn wiegt und es ist auch nicht wichtig, wie viele Nervenzellen ihr Gehirn hat, am wichtigsten ist eine Anzahl der Synapsen, denn Synapsen sind eine elementare emotional-strukturelle Einheit. Wenn wir verschiedene Gehirnregionen beobachten oder wenn wir zum Beispiel das Gehirn eines Menschen und das Gehirn eines Tieres vergleichen, sehen wir die Wichtigkeit der Synapsendichte. Normalerweise erzähle ich während meiner Vorlesungen von Delfinen. Sie sind so schön, aber ihre Synapsendichte ist weniger als unsere. Wenn man nach dem Ganzen urteilen würde, ist die Entwicklung ihres Gehirns noch vor 15 Millionen Jahren zum Stillstand gekommen. Sie kommen im Ozean ganz gut zurecht. Für eine Stunde kann ein Delfin so viel Fisch fangen, wie er braucht, und die Restzeit verbringt er damit, dass er sich über das Leben freut. Er springt, spielt und begeht den Geschlechtsverkehr. Also, diese Tiere sind Hippie-Tieren. Andererseits gibt es zum Beispiel Vögel, deren Gewicht eingeschränkt ist, denn sie müssen fliegen. Ein Gehirn des Vogels ist klein, aber an manchen Orten ist seine Synapsendichte nicht weniger als bei uns Menschen. Besonders wenn man solche Intellektuellen in der Vogelwelt wie Raben und Papageien betrachten würde, ist bei ihnen alles großartig. Deshalb ist ein Vogelgehirn derzeit ein sehr wichtiges Forschungsobjekt. An manchen Orten können ein Gehirn eines Säugers und ein Gehirn eines Affen mit dem Vogelgehirn nicht mithalten. Nehmen wir als Beispiel den Vogelgesang. Ein Kanarienvogel kann singen lernen, und es stellt sich heraus, dass in den Regionen, die für den Gesang zuständig sind, dieselben Gene aktiv sind, die in unserem Sprachzentrum funktionieren. Derzeit beschäftigt man sich sehr intensiv mit dem Vogelnervensystem. Sie ist anders organisiert als unsere, denn unsere Wege sind vor 200 Millionen Jahren auseinandergegangen.

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