Ein Versuch der Übersetzung eines Interviews
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Ein Versuch der Übersetzung eines Interviews

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biology

Victoria: Lassen wir uns mit dem Mikrolevel anfangen. Eines der größten Themen der Vorlesungen, die Sie halten, ist Neurotransmittern gewidmet. Ist alles so eindeutig mit Neurotransmittern, wenn die Rede davon geht, was wofür verantwortlich ist? Ich stelle es mir so vor, dass sie in verschiedenen Gehirnzonen verschiedene Funktionen haben. Aber doch, können wir die wichtigsten Basisprinzipien nennen?

Wjatscheslaw: Victoria, ich glaube, Sie verstehen, was ein Vorlesungsmaterial ist. Man muss sowieso alles vereinfachen. Manchmal muss man das ganze Konglomerat der Kenntnisse sehr stark vereinfachen, um eine Illusion des Verständnisses bei Studenten zu kreieren. Wenn man Studenten mit einer großen Menge von Daten überfordern würde, die keine Logik hinter sich hätte, wäre es für die Katze. Deshalb versucht man ein klares, logisches Bild zu vermitteln, das sich mehr oder weniger dem realen Material annähert. Aufgrund des vermittelten vereinfachten Bildes kreiert man seinerseits eine komplexe Struktur. Deshalb gibt es eine Vereinfachung, die allerdings eine bestimmte Wahrheitstreue beibehält. 

Wenn wir von Neurotransmittern sprechen, beginnen wir mit dem Hauptpaar: Glutaminsäure und GABA, die das Gleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung kreieren. Glutamat ist eine Aktivierungsströmung im Gehirn und GABA ist eine Hemmungsströmung im Gehirn. Die Aktivierung braucht man für Reaktionen, Gedächtnis und Sensorik. GABA braucht man, um überflüssige Aktivierung, Emotionen und Bewegungen loszuwerden. Eine normale Gehirnfunktion ist vor allem das Gleichgewicht zwischen Glutaminsäure und GABA. Wenn etwas nicht stimmt, hat man dann eine Angststörung, Schlaflosigkeit, Epilepsie und was auch immer. Ein zweites Level sind es ein Level von Neurotransmittern, die mehr für die psychoemotionalle Sphäre verantwortlich sind. Das sind Dopamin, Serotonin, Noradrenalin. Zu diesen Neurotransmittern gehören wahrscheinlich auch Cannabinoiden, Opioidmoleküle, die für Emotionen verantwortlich sind und hauptsächlich der Gedächtnisbildung zugrunde liegen. Ein drittes Level sind es ein Level der Peptidmediatoren, aber nicht Opioide, sagen wir mal so, sie sind weniger erforscht und wichtig für die Motivation der Bedürfniszentren. Manche der Neurotransmitter haben einen Einfluss auf Aggression, manche auf Libido und manche auf mütterliche Fürsorge.

Also, es gibt ein Hauptpaar und ein Dutzend von Mediatoren der psychoemotionallen Sphäre und ein Hundert von Mediatoren, die für feine Funktionen zuständig sind. Das ist trotzdem eine sehr starke Vereinfachung, denn wenn man zum Beispiel Dopamin betrachten würde, kann man sehen, dass es hier auf die Geschwindigkeit des Denkens, dort auf die Bewegung einen Einfluss hat und in der Hypophyse die Freisetzung von Prolaktin blockiert. Wie ist das Ganze verbunden? Nichts ist verbunden. Die Evolution verhält sich oft so. Sie schafft einen Mechanismus, einen Mikrochip, den sie dann für die Lösung der verschiedenen Aufgaben benutzt und alles funktioniert. Aber in dem Moment, wenn wir eine pharmakologische Wirkung zu haben versuchen, bekommen wir viele Nebenwirkungen, denn Dopamin ist hier, dort und noch irgendwo. Oder nehmen wir als Beispiel Opioide. Sie sind für die Schmerzkontrolle und die Kontrolle des Zentrums der positiven Emotionen verantwortlich. Warum? Die Evolution hat es sich so gewünscht. Sie benutzt Endorphine für die Lösung verschiedener Aufgaben. Das sind schon unsere Probleme, wie wir damit zurechtkommen, damit man Analgesie hat, keine Euphorie bekommt, keine Veränderung der Synapse passiert und keine Abhängigkeit bekommt.

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