In der Cheopspyramide
German

In der Cheopspyramide

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fiction
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Meiner Schatzkarte folgend stieß ich mitten in der Nacht auf eine unter Sand und spärlichen Gräsern verborgene Falltür am Nilufer. Ich band ein Seil um einen großen Felsen am Ufer, ließ das andere Ende durch die Öffnung fallen, und ließ mich hinab. Spinnennetze verdeckten einen langen, schmalen Stollen, durch den ich auf Ellenbogen und Knien mühsam vorwärts kroch. Am Ende kam ich aus dem Stollen heraus und befand mich erst dann in der Schatzkammer der Pyramide des Pharaos Cheops, meinem lange gesuchten Ziel. Jahrelang hatte ich die altägyptischen Hieroglyphen studiert und in Trümmern nach Hinweisen gesucht, die mich zu diesem Ort geführt hatten. Als ich meine Fackel anzündete und sie in dieser großen Kammer hochhielt, um die bemalten und mit vielen Hieroglyphen versehenen Wände besser sehen zu können, bewunderte ich den Reichtum eines längst vergessenen Zeitalters. Zu lange wanderte ich durch die weitläufigen Kammern und Gänge, zu gierig musterte ich die mit Gold und Ebenholz gedeckten Altäre, und immer tiefer befand ich mich im Labyrinth. Als schließlich die Flamme am Ende der Fackel flackerte, kam ich wieder zu mir und sah, dass mein Brennstoff beinahe erschöpft war. Ich war nicht mehr sicher, wo ich mich in der großen Pyramide befand. Im dunkelnden Licht der ausgehenden Fackel versuchte ich vergebens, die Richtung zum verborgenen Eingang aus der Schatzkarte zu lesen. Doch die Fackel nahm keine Rücksicht auf meine Lage, und das Licht erlosch zu früh.

Eine halbe Stunde suchte ich verzweifelt in der Dunkelheit nach dem Stollen, durch den ich in die Pyramide gekommen war. Dann setzte ich mich auf dem staubigen Steinboden hin und weinte bitterlich. Nach unbestimmter Zeit vernahm ich ein Ächzen und Stöhnen. Das Geräusch war stumm und fern, sonst hätte ich gedacht, dass ich in meiner Verzweiflung selbst stöhnte, aber es wurde rasch lauter und rückte in der Dunkelheit näher. Ich wurde von der Idee ergriffen, ich sollte mich verstecken, aber in solcher Dunkelheit hatte ich keine Ahnung, wie man sich versteckt. Wovor wollte ich mich eigentlich verstecken? Wer stöhnte denn so? Vielleicht war es nur ein Grabräuber, ein Schurke wie ich. Trotz aller Anstrengungen konnte ich mein pochendes Herz nicht beruhigen. Ich rückte näher an die Steinwand und wartete ängstlich ab. Wer auch immer es war, hatte wohl die Falltür gesehen und war hinter mir her durch den Stollen hereingekommen. Er suchte nun gewiss auch einen Ausweg, dachte ich. Ich erhob mich langsam und schlich, so still ich es nur konnte, den schmalen Gang entlang zu diesem stöhnenden Menschen.

Ich folgte dem Menschen in einem kleinen Abstand, während er noch tiefer in die Pyramide hineinging. Die Luft wurde kühler, und ein muffiger Duft füllte meine Nase. Obwohl ich mir sicher war, dass dieser Mensch mich dem Eingang entführte, konnte ich nicht anders als ihm zu folgen. Die einzige andere Möglichkeit wäre nämlich gewesen, zurückzubleiben und im Dunkeln und in der Stille zu sterben. Obwohl ich eher dicht hinter ihm her lief, schien der Mensch mich nicht zu bemerken. Er ächzte nur weiter. War er schwer verletzt?

Wir traten über eine Schwelle, die schien, der leicht wehenden Luft nach, in eine größere Kammer zu führen. Der Mensch hörte auf zu stöhnen. Er hielt an, ein hölzernes Krachen und das Klirren von Blech hallte in der Kammer wider. Der Mensch öffnete wohl einen Riegel und schloss ihn dann wieder. Dann herrschte Stille und Dunkelheit. Obwohl ich nicht mehr genau wusste, wo der Mensch sich befand, kroch ich langsam zum Ort, woher der Klang hergekommen war, und berührte leicht eine hölzerne Hülle. Ein leises Stöhnen hörte ich hinter dem alten, lackierten Brett. Ich fuhr leicht mit den Fingerspitzen über die Fläche. Das Holz war glatt und in seltsame Formen gebogen. Aus großer Verzweiflung fasste ich mit beiden Händen das Ding an, in das dieser stöhnende Mensch verschwunden war, meine letzte Hoffnung auf Rettung!

Abgerundet waren die Kanten dieser Hülle. Ich berührte nun hölzerne Lippen, Augen, Wangen und Stirn. Ich verstand, es war der Sarkophag des Pharao Cheops, wie ich ihn mir immer aus den alten ägyptischen Schreiben vorgestellt hatte, und wie er soeben in den Wandgemälden im Hauptgang dargestellt wurde, nur konnte ich ihn nicht sehen.

Zu meinem Entsetzen hörte ich den Sarkophag öffnen. Eine Hand streckte sich heraus und fasste mich an. Diese Hand, wie ich nun verspürte, war in Binden gewickelt. Sie drückte meinen Arm mit knochigen Fingern. Starre Brocken von einbalsamiertem Fleisch klebten an den Fingerknöcheln. Sie war die Hand des mumifizierten Pharaos selbst, der mich in meinen Untergang geführt hatte.

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