Heute, am 25. März, wird die Unabhängigkeit von Griechenland nach der Revolution im Jahr 1821 gefeiert. Anlässlich dieses Ereignisses werden jährlich grandiöse Umzuge im ganzen Griechenland organisiert, aber für mich war es heute zum ersten mal unmöglich teilzunehmen, weil davon hier in Deutschland kaum bekannt ist. Was mir aufgefallen ist, dass ich eine Meinung im Bezug auf dieses Thema vertrete, von der ich noch nie eine überzeugte Person kennengelernt habe.
Es geht nämlich um den zweiten größten (nicht religiösen) Feiertag in Griechenland, den Tag von "Ochi" (Όχι). Am 28. Oktober wird die Absage des von Mussolini und Grazzi präsentierten Ultimatum gefeiert, auf das der damals Ministerpräsident Ioannis Metaxas "heroisch" und prägnant "Alors, c'est la guerre." (Also, es ist ein Krieg??) antwortete. So hat der grieschisch-italienisch Krieg begonnen, und nach einem Jahr mit "Erfolg" für Griechen beendet. Was immer unerwähnt bleibt ist der historische Hintergrund oder Kontext dieser Phrase, und genauer die Tatsache, dass Ioannis Metaxas ein Diktator war. Schon in der Grundschule haben wir als Kinder Gedichte und Berichtungen aus dem Krieg gelesen, Feiern organisiert und an Schülerparaden teilgenommen, ohne dass es und bewusst war, wie furchtbar und einfach mies diese Zeit tatsächlich war. Das habe ich eigentlich erst in der 12. Klasse gelernt, im Literaturunterricht bei der Analyse des Gedichts "Θεσσαλονίκη, μέρες του 1969 μ.Χ.", oder "Saloniki, Tage von 1969 n.Chr". Ιn diesem Gedicht geht es um die militärische Diktatur von Papadopoulos (1967-1974), und der Dichter erwähnt eine Phrase von G. Seferis, "Wohin ich reisen mag, tut mir Griechenland weh", die sich auf die Diktatur von Metaxas bezieht.
Es kann Ihnen auffällig scheinen, dass ich mich selbst niemals dafür interessiert hatte, mich aus eigener Initiative nach mehr Informationen zu kündigem. Aber meiner Meinung nach ist das nachvollziehbar: Stellen Sie sich vor, dass Sie 12 Jahren lang die Entscheidung einer Person und ihre Folge analysieren und feiern, und plötzlich herausfinden, dass sie auch ein Diktator war. Mit diesem Beispiel könnte es noch vorstellbarer sein: Sie sitzen am Tisch fürs Abendessen mit euren Eltern, haben einen Film vorher geschaut, und stellen Ihrer Mutter die Frage, ob sie an Geister glaubt. Darauf antwortet sie ganz natürlich und typisch: "Ja. Als du ein Baby warst, mussten wir eigentlich umziehen, weil der Geist eines kleinen Mädchens uns verfolgt hat". Und jetzt müssen Sie das irgendwie bearbeiten und verstehen, wie so Sie das nicht gewusst hatten, obwohl es von großer Bedeutung zu sein scheint.
Dieses Beispiel veranschaulicht ein weit verbreitetes Problem in Griechenland und auch teilweise in Zypern, wo ich aufgewachsen bin. Meiner Erfahrungen nach haben Griechen die Tendenz, auf ihre erheblich prägende und legendäre Geschichte und Kultur zurückzugreifen, um sich mit der verzerrten und unangenehmen Realität nicht auseinanderzusetzen. Daher werden unsere "Fehler" des Öfteren in der Schule nicht beigebracht, im Gegensatz zu Deutschland, wo großer Wert auf die Verantwortlichkeit für die Vergangenheit gelegt wird. Auf diese Weise ignorieren wir die Ereignisse, die unsere idealisierte Wahrnehmung der Geschichte vergiften. Dieses Phänomen beruht sich außerdem möglicherweise darauf, dass konkrete Ereignisse relativ modern und deshalb umstritten sind, wie beispielweise EOKA B.
Abschließend möchte ich mich konkreter dazu äußern, wie für mich dieser Feiertag optimal zu behandeln ist. Wenn ich eine Lehrerin wäre, würde ich immer den historischen Kontext und den damaligen Sachverhalt erheben und betonen, dass nicht die berühmte Worte von Metaxas heldhaft sind, sondern die Soldatten, die ihre Leben für die Freiheit aufgegeben haben.
jajajajajaj meine Schwester hat heute an der Schülerparade teilgenommen und ich bin sehr sehr stolz:)) leider war ich nicht da, um das zu erleben
falls man neugierig ist, so hat die Schülerparade in meiner Heimatstadt ausgesehen https://www.facebook.com/media/set/?set=a.122156556260377979&type=3